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044 | Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

 

Sylvia-go2go-044 Als Räuberhauptmann zögere ich keinen Moment. Ich springe in den reißenden Fluß. Die Krokodile müssen Angst haben, ich wetze meine Zähne. Am anderen Ufer erwartet mich dichtes Gestrüpp, das nach wenigen Metern in den dunklen Eichenwald mündet. Noch wenige Meter …

Ich bleibe stehen, ich zittere. Meine Verfolger sind dicht hinter mir. Ich springe. Es ist doch nur ein alter Bombentrichter, indem sich Wasser gesammelt hat. Meine Schuhe werden naß, die Socken, die Hose – ich versinke. Nein, ich falle mit der Nase nach Vorne in den Matsch. Die Birken lachen. Ich höre meine Verfolger, sie wispern. Ich rapple mich auf, weiter …

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043 | Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen 043

der regenbogen wartet. ein wenig lässt er schon seine farben scheinen. warte, denn noch ist nicht zeit. hinter den sieben bergen putzt sich die sonne und räkelt sich. sie mag jetzt länger schlafen, versteckt sich. manchmal, heimlich, wenn niemand es sieht, streckt sie ihre langen hellen zungen unter dem vorhang hervor. verschleckt ist sie, das doch! wenn sie genug hat von ihrem hellen blauen all, mag sie gern ein wenig naschen. dann flitzen die sonnenzungen über tisch und bänke, das köstliche frische weiss und das etwas ältere, knusprig gebackene schmecken gar zu gut. kein geheimnis mehr, die gier der langen zungen! schneefreie plätze gibt es plötzlich überall. komm, setz dich her! eben hörte ich einen vogel rufen. nimm platz! bald streckt sich die sonne über das ganze tal. noch ist nicht zeit. aber man kann es schon hören.

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043 | Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia 043
Kein Orange, kein Braun und kein Schwarz. Meine Lieblingsfarben fehlen. Deswegen habe ich alles, alles in den Müll geworfen. Ich soll was schönes machen, mit den Farben kann ich gar nichts machen, mit diesem Staubwedel, dem roten nichts, diesen lächerlichen Blatt mit Blau das wohl wie Wasser aussehen soll. Ich hab gesagt: „Bei mir nicht – nicht mit mir.“ Eigentlich wollte ich noch alles anzünden oder wenigstens drauf treten, aber das hat man mir auch nicht erlaubt. „Da scheiß ich doch drauf“, hab ich gesagt. Wag es nicht, haben die mir gesagt. „Ich will mein Braun, mein Schwarz, mein Orange“ Die haben nur gelacht, gelacht haben die. Wartet nur, wartet nur ab.

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042 | Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen 042weniger nebel wäre schön. so wie es jetzt ist, darf es nicht bleiben. nur schemenhaft zeigen sich häuser, bäume, menschen. der fluss ist verschwunden, ganz und gar. auf meinem bett liege ich und verschwinde ebenfalls – in eine welt jenseits des milchsuppentals. in eine tütensuppenwelt, kann sein, kann gut sein. dort ist es bunt, dort ist es farbig von versprengten tomaten-, paprika-, gurkenpartikeln, die in den wundertüten wohnen, in diesem gelben tütensuppenpulver. es ist lustig dort, denn auch sternchen, muscheln, buchstaben turnen herum und es macht spaß, sie aneinander zu reihen, xyplobax*tabitirauxibauxi***prrrrrrrrr ***prrrruuuuuuuu. den ganzen tag lieg ich auf dem bett und rühre sie um, herum, neue wörter mache ich und kleine türme aus paprikatomatengurkenpartikeln. so schön! so bunt! mir wird ganz anders vom rühren und bauen und lesen und lachen – sehr müde werd ich – und schlafe ein. an einem neuen morgen, als ich aufgestanden bin, gehe ich zum fenster – da ist der fluss, da sind die blumen, da ist das boot, das feine braune! die welt ist wieder da. ich gehe in die küche und mache feuer unterm suppentopf.

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042 | Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia 042
Ich seh mich ja gern im Spiegel an. Meine Frau sagt „An jedem Spiegel musst Du stehen bleiben und rein gaffen.“ Meine Frau sieht auch nicht schlecht aus, die verschwindet dann eben mal im Bad um sich zu schminken. Ich schau mich halt gerne an, so in natura. Mein Muskeln trainiere ich fünf Mal die Woche, ich schau mir dann zu wie sich die Muskeln spannen, wie glatt die Haut ist.  Und am Wochenende laufe ich noch im Wald, an einer Ecke hängt ein Spiegel. Dort dehne ich mich, schaue mich immer wieder an, schaue im Winter wie mein heißer Atem die Luft erwärmt. Zuhause schaue ich mir dann noch den Schweiß auf meiner Haut an. Zum Geburtstag hat mir meine Frau sogar einen kleinen Spiegel gekauft „Dein neuer Freund!“, hat sie gesagt.

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