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049 | Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia 049

Ich mach‘ die Augen zu und das Weltkarussell dreht sich. Ich mach die Augen auf und der Himmel blitzt. Das sind die gut gelaunten Engel, die immer wieder das Licht an und ausschalten.
Ich mach‘ die Augen zu und ich seh‘ Raumschiffe, die sich bekriegen. Ich mach‘ die Augen auf und die Engel haben gelbe Mützen auf, schlecken Vanilleeis und spucken weißes Licht auf die grauen Häuser. Ein Engel zwinkert mir zu und fordert mich auf mitzusingen „Engel bellen — Wellen dellen — dadidu …“
Ich mach‘ die Augen zu und ganz schnell wieder auf und kotze auf den Bürgersteig.

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048 | Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen 048das dahinter interessiert mich mehr. es hat zu tun mit wasser, gezweig und nebel in einer weiten grauen wanne. ein topf mit suppe simmert leise vor sich hin, ab und zu schaut ein fischkopf heraus um zu schauen, ob das feuer noch reicht, um gar zu werden. ein junge mit schwarzer gangsta-mütze geht vorbei, zieht einen bollerwagen mit bierkisten hinter sich her, seine nackten füße schlurren durchs wasser und machen geräusche. auch die räder bringen die pfützen in aufruhr, es rieselt und klatscht in einer tour. lieber würde ich weiter schauen, bis es dunkel wird. doch der bademeister pfeift und schon höre ich sie hinter mir ins becken springen. in der nächsten runde bin ich dabei. ich wende mich der halle zu, setze meine schwimmbrille auf und gehe zum startpunkt.

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048 | Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia 048 Von einer Sekunde auf die andere muss es gehen. Manche denken, es ist besser, manches etwas langsamer anzugehen. Aber sag das den Vögeln, die fallen herunter, wenn sie weniger mit den Flügeln schlagen. Also geht es ruck-zuck, zack-zack, nicht nachdenken — einfach tun!
Ich steig also ein, drück auf den Anlasser, yeah, drück auf das Gas, wow, geht ab wie ne Rakete. Und die frischen Brötchen vom Bäcker sind in nullkommanix bei Renate und mir auf dem Frühstückstisch.

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047 | Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen 047

die farbe der felder hinter,

tagtäglich unwirtlicher,

elektrisch mit einer spur von metall


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047 | Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia-go2go-047 Winter, ich lege meinen Arm um sie, die Cola verkühlt sich. Noch im Sommer hat sie sich an mich geschmiegt. Ich höre ein Paar: wer wischt morgen die Küche, wer hat die schönere Nase, wer ist wer.

Frühling, die Cola schmeckt nach Fanta, ich denke an sie, wie sie sich früher an mich geschmiegt hat. Ich höre eine Frau, die vom Sommerurlaub spricht, Malle, da war es doch …

Sommer, die Cola verdampft alleine neben mir, auf dem Maschsee schwimmen Störche, die Königinpalme verliert ihre Früchte. Niemand redet so laut wie ich.

Herbst, ich habe sie vergessen, ich habe vergessen, wie die Cola schmeckt – selbst ihre Telefonnummer hat sie gewechselt.

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