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044 | Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen-go2go-044ich hätte gern eine heiße schokolade. – mit sahne? – ja bitte, sagte sie und ging mit leichten schritten zur tür hinaus. auf dem tisch mit den braunen klebrigen ringen zwischen zucker-, salz- und pfefferstreuern stand ihre handtasche. der kellner brachte die tasse und stellte sie dazu. zwischen den tischen tauchte ein kleiner junge auf, mit wackelndem ruckendem gang, so als habe er gerade erst laufen gelernt. die späten sonnenstrahlen ließen sein haar aufleuchten wie eine gloriole. der kellner trat an den tisch und trank einen schluck von der schokolade. der kleine junge wackelte zum fenster, deutete hinaus und rief „da! da! da!“. die leute standen auf und schauten hinaus. es war sehr still geworden. der kellner trank die schokolade aus, dann ging auch er zum fenster. weit draußen zwischen den spiegelnden pfützen, fast schon im meer, legte die frau ihre kleider ab. sie schlug die himmelblaue bettdecke zurück, legte sich in das große braune bett aus holz und deckte sich zu. das möchte ich auch mal, dachte der kellner, so ein bett am meer. er räumte die tasse weg, band sich die schürze ab und ging, immer den pfützen nach, am ohr eine singende muschel.

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044 | Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

 

Sylvia-go2go-044 Als Räuberhauptmann zögere ich keinen Moment. Ich springe in den reißenden Fluß. Die Krokodile müssen Angst haben, ich wetze meine Zähne. Am anderen Ufer erwartet mich dichtes Gestrüpp, das nach wenigen Metern in den dunklen Eichenwald mündet. Noch wenige Meter …

Ich bleibe stehen, ich zittere. Meine Verfolger sind dicht hinter mir. Ich springe. Es ist doch nur ein alter Bombentrichter, indem sich Wasser gesammelt hat. Meine Schuhe werden naß, die Socken, die Hose – ich versinke. Nein, ich falle mit der Nase nach Vorne in den Matsch. Die Birken lachen. Ich höre meine Verfolger, sie wispern. Ich rapple mich auf, weiter …

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043 | Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen 043

der regenbogen wartet. ein wenig lässt er schon seine farben scheinen. warte, denn noch ist nicht zeit. hinter den sieben bergen putzt sich die sonne und räkelt sich. sie mag jetzt länger schlafen, versteckt sich. manchmal, heimlich, wenn niemand es sieht, streckt sie ihre langen hellen zungen unter dem vorhang hervor. verschleckt ist sie, das doch! wenn sie genug hat von ihrem hellen blauen all, mag sie gern ein wenig naschen. dann flitzen die sonnenzungen über tisch und bänke, das köstliche frische weiss und das etwas ältere, knusprig gebackene schmecken gar zu gut. kein geheimnis mehr, die gier der langen zungen! schneefreie plätze gibt es plötzlich überall. komm, setz dich her! eben hörte ich einen vogel rufen. nimm platz! bald streckt sich die sonne über das ganze tal. noch ist nicht zeit. aber man kann es schon hören.

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043 | Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia 043
Kein Orange, kein Braun und kein Schwarz. Meine Lieblingsfarben fehlen. Deswegen habe ich alles, alles in den Müll geworfen. Ich soll was schönes machen, mit den Farben kann ich gar nichts machen, mit diesem Staubwedel, dem roten nichts, diesen lächerlichen Blatt mit Blau das wohl wie Wasser aussehen soll. Ich hab gesagt: „Bei mir nicht – nicht mit mir.“ Eigentlich wollte ich noch alles anzünden oder wenigstens drauf treten, aber das hat man mir auch nicht erlaubt. „Da scheiß ich doch drauf“, hab ich gesagt. Wag es nicht, haben die mir gesagt. „Ich will mein Braun, mein Schwarz, mein Orange“ Die haben nur gelacht, gelacht haben die. Wartet nur, wartet nur ab.

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