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053 | Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Foto: Jürgen Gisselbrechtdas geld ist alle. der laden hat zu und die tauben geben nichts. sind selbst ganz verplustert von allem. kein körnchen fürs kröpfchen, geschweige fürs töpfchen. die aschenblödels sind ausgestorben. nur die stiefmutter lebt noch und frisst selbst die erbsen. selber schuld. wenn sie wüsste. sie sitzt da seit jahren und meint, alles währt ewig. denkste puppe, pustekuchen. nebenan haust der sushi-mann mit den schwanzlosen fischen, endlose klebreisumwicklungen und päckchen, die happs auf eins in die münder springen. erbsen. wie oldfashioned. da gehn die schotten runter, da ist der laden dicht. aber fingernägel. die gehen noch. aber gebense von den bunten, die sind fester. WIE viel für das kilo? na danke. kau ich lieber meine eigenen.

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053 | Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia HagenbachWir müssen sparen. Quatsch. Meine Tochter wird heute ein Jahr alt. Auch falsch. Schon vor einhundertelf Jahren zündete meine Großmutter am 1.11. eine Kerze an um … das glaubt niemand. Die Glühbirnen sind defekt, bis auf die eine, ich habe kein Geld für … Obwohl Draußen Tag ist schalte ich für meine verstorbene Katze immer …
Wahr ist: ich stehe seit einer Stunde in diesem Zimmer, nur dieses Licht brennt, diese eine Lampen-Kerze. Nach der Führung im Schloß bin ich dem Führer einfach nicht gefolgt. Ich stehe seit einer geschlagenen Stunde im Zimmer, schaue auf die eine Lampen-Kerze und schaue wie der Tag durch das Fenster schaut und die Lampe in meinen Augen glitzert.

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052 | Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen_052.jpgwer weiss schon, wo das meer ist, wohin es verschwunden ist.
jeder weiss das, es ist ein offenes geheimnis, dass der mond es schlürfte und beizeiten wieder ausspucken wird. dann wird’s in den prielen rauschen, die silbrigblaue schlange wird verschwinden unter dem wasserspiegel, unsichtbares schlängeln unter winkenden wellen. hochzeit werden die nixen halten und in ihr haar, so grün, so blau, so golden den fischer einwickeln, der eben noch ein matjesbrötchen verschlang, die füße im watt.

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052 | Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia_052.JPG Riesenrad fahren ist göttlich. Dem Himmel so nah, näher als alle Vögel, Flugzeuge, Wolken – ja, dieses Gefühl habe ich dann. Die Kirmes öffnet um 11 Uhr, zehn Minuten vorher stelle ich mich an. Meine Beine zittern bereits in der U-Bahn. Ich steige ein, muss mich am Geländer festhalten. Dann setze ich mich, alleine, kann niemanden rings um mich ertragen. Einmal saßen quatschende Nonnen neben mir – ein anderes Mal ein küssendes Paar. Nein, alleine muss ich sein, mit Gott, dem Himmel, den Vögeln, den Flugzeugen und meiner Wut. Bevor ich zur Kirmes gehe, gehe ich zur Tierhandlung. Ich kaufe mir einen Wellensittich. Der Tierhändler verpackt mir den Wellensittich in ein kleines Paket mit Luftlöchern. Der Wellensittich ist still, vor angst, bis auf einen damals, der war laut, aber nicht lange. Ich sprech mit dem Vogel, erzähl ihm vom Himmel, manchmal pipst er dann, heute ist er still. Das Riesenrad bewegt sich engelsgleich nach oben. Dort, in der Gondel, oben im Riesenrad, öffne ich die Schachtel. Der Piepmatz drückt die Flügel eng an seinen dürren Körper. Ich fische den Wellensittich heraus und werfe ihn in die Luft. Wie ein Stein fliegt er. Aber heute öffnet er die Flügel und schreit aus vollem Hals. Göttlich!

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051 | Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen_051.jpg

kauen kauen kauen
rapprapp das gras
das scharfe funkelgras
rapprapp die zähnchen
hernach zählen ob
kein halm kein hälmchen
eines brach
rapprapp verdau verdau
die kötelchen die grünen
verzieren bald die au

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