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002 — Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen 002keit! keit! schöner weisser im wind im sausen im brausen will ich hinauf mit dir ins blau ins grau zwischen wolkenfetzen du willst fort ohne mich ich halt dich mit schmerzen hoch springe ich und spür nur noch fester den stoppligen grund der mich hält wo ich nicht sein will so verhaftet so schwer so leicht will ich sein du lässt mich nicht allein willst du bleiben da oben im sausen im brausen hielt ich dich nicht es gäbe kein wiedersehn ach nimm mich doch flieg mit mir flieg mit mir flieg mit mirim mais lauschen tiere dem kampf kleine schwester murmelt beschwört du flieg nur zu und lass mir den bruder vor schmerzen weint er loslassen kann er nicht will er nicht ach tu du dein werk flieg in die flügel des windrads schau wie sie glitzern wie schön muss es sein da zu sein tu dein werk mach dich frei flieg den wolken davon flieg mit wind und weiten schwingen und gib mir den bruder zurück seit tagen singt er sehnsucht mit blutigen händen verloren ist er für jedes spiel jedes wort jedes lied gib ihn zurück meinen bruder flieg.

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002 — Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia 002Spieglein, Spieglein auf dem Pflasterstein, wer sind wir im ganzen Land? Das Spieglein bleibt stumm. War ja auch abzusehen, das verschwindet auch spätestens im nächsten Sommer. Oder wenn ein Auto darüber fährt oder ein Kind in das Spieglein stapft. Ade Spieglein, Spieglein auf dem Pflasterstein. Aber wer kann uns helfen? Wer sagt uns wer wir Bäume sind? Wir diskutieren das schon seit vielen Jahren. Wir werden von Jahr zu Jahr immer breiter und höher. Und die einen Bäume wollen das Spieglein zu Rate ziehen. Die anderen Bäume stehen nur in ihren Wurzeln herum und starren in den grauen Himmel. Wir aber wollen es wissen. Dafür zählen wir auch schon einmal die Pflastersteine rings um das Spieglein, aber das Spieglein will auch davon nichts wissen und uns auch nichts verraten. Warum?
Wenn diese Bäume wüßten … ich beobachte sie, ich kenne sie alle. Denn ich wechsle oft meinen Platz. Ich spreche mich mit den Pflastersteinen ab. Sie geben mir meinen Blick zurück, sie fangen mich auf, sie geben mir den Rückhalt um überhaupt hier zu sein. Und die Bäume? Ihre Wurzeln reichen nicht zu mir, sie werden niemals etwas von mir wissen, aber ich weiß alles über sie. Bäume, Bäume im Regen und im Schnee …

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001 — Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen 001sehnsucht nach der farbe rot, weinrot, herbstlaubrot in blaue himmel geschnitten. wie schnell sie zerrissen ist vom hastigen wind, von seinem gezerr und geplärr in den nächten. auf dem boden liegt sie in matschigen haufen, bald weggekehrt und vergessen. wie waren die himmel hoch in jenen tagen, hoch und durchsichtig und heimat den fröstelnden engeln. das rot ist gestorben, versperrt der blick ins blau durch tücher aus nebel, die nass in den bäumen hängen. in die häuser und straßen wird neues rot getragen, ein weihnachtsmannrot, ein glühweinnasenrot. es gefällt mir nicht, zu laut ruft es sein kauf-mich-werd-glücklich durch die schmalzkuchen-schwaden. leuchtkettengeklöppel allerorten und rudolph-the-rednosed-gesänge tagein tagaus. gebt mir mein rot zurück, mein ledersofa-, mein wein-, mein herbstlaubrot und seinen melancholischen duft in den herbstnächten.

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001 — Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia 001

Körper, Dunkel, Grau und Stein. Abgewandt, die Köpfe hochgereckt, schmal fast dünn, im Wind verloren.
Ich halte euch fest, denke ich, der Tag wird euch nichts tun, bleibt nur.

Und die zarten Lichtgestalten genießen die Stille, augenlos, starr und ohne etwas zu sagen.
Eure Hände frieren an euren zarten Körpern, lasst mich euch wärmen, die Sonne geht bald unter. Von Stunde zu Stunde geht ihr eure eigenen Wege – doch wohin?

Käfige und Luftballons sind eure Köpfe. Ich weiß, ihr werdet bald verschwinden, verschwimmen in der Nacht. Ich sehe euch jede Nacht zu, wie ihr eins werdet mit dem Dunkel.

Ich suche euch. Früh am Morgen finde ich Euch dann wieder. Wo seid ihr gewesen? Eure Körper zittern leicht, ohne Antwort. —

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