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004 — Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen 004hüterin des sommerschatzes, wie unscheinbar bist du!
alt, bedeckt mit narben und moos, fleckig und verwundet von rostigem eisen.
stille wacht hältst du im dämmrigen garten.
messer schrieben in deine haut, herzen und namen und beschwörungen.

die messer sind tot, die kinder erwachsen, sie wissen nichts mehr von dir, nichts mehr von dem, was du verbargst.
nichts mehr von dem duft, dem knistern, den geheimnissen, die darin flüsterten.
die hasen hängen stumm kopfunter mit bläulicher haut und klopfen auf holz.
der schimpfende mann bleibt stumm in diesen zeiten.
die kinder sind groß.
die hasen sind tot.
das heu ist verstaubt und verfault und vergessen.
im hasengarten hausen geister, die heulen nachts im apfelbaum.
nein, das sind käuzchen, sagt der mann.
er weiss es nicht besser.

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004 — Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia 004 Ach die Traurigkeit. Schau, der Weg geht weiter, die Sonne scheint sogar. Die Bäume haben noch Laub. Der Weg geht weiter. Moos wächst auf deinen kalten Gliedern. Und Flügel, wer hat schon Flügel in unserer Zeit? Komm, zeig mir deine Hände, deine Augen, zeig mir deinen Flug! Wohin fliegst du mit mir?
Du hast geträumt wie Ikarus zu fliegen? Aber du weißt doch von seinen Flügen! Drum flieg du, mit deinen Flügeln, überwinde deine moosige Melancholie. Sieh die Sonne, wie sie auf deinen Flügeln glänzt. Steig‘ empor, ball‘ nicht mehr die Hände zur Faust sondern laß deine Hände in der Luft gleiten. Schließe kurz die Augen, die Sonne wärmt, die Kraft kommt wieder. Komm, steig auf, gleite, fliege – der Himmel gehört auch dir.

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003 — Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen 003wie groß ist das schwarz! schwarz wie die welt unterm gullydeckel, wie sieben raben, wie schneewittchenhaar, wie enwitt, wenn er schweigend irgendwo im geflirr einer vernissage stand. schwarz ist negativ, sagt die anthro-frau. wenn du schwarz benutzt, ist das ein böses zeichen. die harmonie ist gestört. ich schaue ihre bilder an. ich denke an weleda-reklame. ich gehe raus in die nacht und trinke das schwarz. es liebt mich. es erfüllt mich bis an den rand. der morgen kommt und kämpft. meine hand beginnt zu leuchten. schwarz und weiss. weiss und schwarz. zebramusik. ebony und sieben raben im schnee. schwarz ist traurig, sagt die pressefrau, die die federzeichnungen der kinder betrachtet. weiss ist nichts ohne das schwarz sage ich. deine texte, weiss auf weiss… sie lacht, schaut auf ihre finger. aber das ist was anderes, sagt sie.

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003 — Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia 003„I want to hold your hand“
Auf was wartest du? Warum spreizt du den kleinen Finger ab? Und warum hat sich dein Zeigefinger von den anderen Fingern entfernt? Du hältst dich zusammen. Du fasst dich an, du fasst dich gut an, weich und hart, stabil und auf dem Sprung, du kennst den Weg.
Oder tust du nur so? Ich sehe deine weiße Hand, wie sie tastet, wie sie abwartet, wie du nach etwas suchst. Du suchst nach dir, nach deinem Körper, auch nach deinem Weg. Und leicht zittert deine Hand. Die Fingerspitzen vibrieren. Noch vor einer Sekunde hattest du den Weg gewußt, doch dann – was geschah dann?
Deine Hand wird kalt, du spürst keine Wärme mehr, du kannst dir keine Wärme mehr geben. Aber wohin mit dir?
Deine Hand sucht, sucht lange, greift daneben. Ich rufe dir zu: Komm gib mir deine Hand.

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