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052 | Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen_052.jpgwer weiss schon, wo das meer ist, wohin es verschwunden ist.
jeder weiss das, es ist ein offenes geheimnis, dass der mond es schlürfte und beizeiten wieder ausspucken wird. dann wird’s in den prielen rauschen, die silbrigblaue schlange wird verschwinden unter dem wasserspiegel, unsichtbares schlängeln unter winkenden wellen. hochzeit werden die nixen halten und in ihr haar, so grün, so blau, so golden den fischer einwickeln, der eben noch ein matjesbrötchen verschlang, die füße im watt.

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052 | Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia_052.JPG Riesenrad fahren ist göttlich. Dem Himmel so nah, näher als alle Vögel, Flugzeuge, Wolken – ja, dieses Gefühl habe ich dann. Die Kirmes öffnet um 11 Uhr, zehn Minuten vorher stelle ich mich an. Meine Beine zittern bereits in der U-Bahn. Ich steige ein, muss mich am Geländer festhalten. Dann setze ich mich, alleine, kann niemanden rings um mich ertragen. Einmal saßen quatschende Nonnen neben mir – ein anderes Mal ein küssendes Paar. Nein, alleine muss ich sein, mit Gott, dem Himmel, den Vögeln, den Flugzeugen und meiner Wut. Bevor ich zur Kirmes gehe, gehe ich zur Tierhandlung. Ich kaufe mir einen Wellensittich. Der Tierhändler verpackt mir den Wellensittich in ein kleines Paket mit Luftlöchern. Der Wellensittich ist still, vor angst, bis auf einen damals, der war laut, aber nicht lange. Ich sprech mit dem Vogel, erzähl ihm vom Himmel, manchmal pipst er dann, heute ist er still. Das Riesenrad bewegt sich engelsgleich nach oben. Dort, in der Gondel, oben im Riesenrad, öffne ich die Schachtel. Der Piepmatz drückt die Flügel eng an seinen dürren Körper. Ich fische den Wellensittich heraus und werfe ihn in die Luft. Wie ein Stein fliegt er. Aber heute öffnet er die Flügel und schreit aus vollem Hals. Göttlich!

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051 | Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen_051.jpg

kauen kauen kauen
rapprapp das gras
das scharfe funkelgras
rapprapp die zähnchen
hernach zählen ob
kein halm kein hälmchen
eines brach
rapprapp verdau verdau
die kötelchen die grünen
verzieren bald die au

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051 | Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia-051.jpgSein Akkordeon hängt wie ein gekentertes Boot über der Welle seines Bauchs. Er schaut sich das Schild an. Seine Finger suchen die Akkorde „La Paloma ade“. Sein Bauch wackelt. Er muss husten. Seine Finger wischen über die kahle Stirn. „Auf Mahadonnen“, singt er „ohe oweh“ und lacht. Er zieht sein Handy aus der Jeans und fotografiert sich vor dem Schild. Er ist nicht zufrieden, fotografiert sich noch einmal. Singt „Mein Freund Tommy war ein doofer Kerl“ und lacht. Ein Paar drückt sich an ihm vorbei, „Tiger, grüss mir die Tonne“ singt er dem Paar hinterher, die sich im Grün der Parkanlage verlieren. Seine Finger hacken auf das Akkordeon ein und er lacht.

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