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038 — Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen 038Oh nein, nicht jetzt!
in dieses blaue möchte ich springen, hopps und mit hellen flügeln über den schiffen kreisen, die matrosen becircen mit meinen gesängen, dass sie die arbeit liegen lassen für eine weile und lauschen und dann einstimmen und ein chor erwächst in all dem blau, hinauf hinauf zu allen engeln schau wie sie herabschweben und schau wie ihre gewänder sich bauschen , nimm wahr den feinen hauch von zimt und sternen, den sie mit sich bringen. oh tiefes blau voller gesang und duft, die schiffe drehen sich eine weile wie karussells. dann endet das lied, die engel kehren zurück in die himmel und wringen die säume ihrer gewänder aus. ich schaue ihnen nach und etwas salzwasser rinnt über mein gesicht. die schiffe nehmen kurs auf, die matrosen summen noch ein wenig und ich weine. oh nein, nicht jetzt! denn da ist kein großes blau, alles was ist ist grau graugrau, totgrau, himmel, straßen, schneereste. schiffe, engel, matrosen sind nicht in sicht.

038 — Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia 038

Sie hat mir die Nachricht geschrieben. “MORI5″.

Niemand weiss davon.
Alle laufen vorbei, vorüber, keines Blickes würdigend, in sich versunken, allein, zu zweit, plaudernd, mit sich redend, ohne Sorgen und mit viel Geld und mit ganz wenig Geld.
Ich weiss davon und noch jemand weiss davon. Da sind wir schon zu fünft.

Ja, MORgen wird es sein.

Dieser Rucksackfußgänger wird sich morgen wundern, wenn er dann noch lebt, wenn er dann nicht schon vom einem Ball angefahren wurde, ein Auto an den Kopf bekommen oder sich einfach am Staub des Himmels verschluckt hat.

Ja, Morgen wird sich Ingrid mit mir hier treffen, genau hier, am Kopfsteinpflaster, der Schaltzentrale 45.

Sie wird ihr hübschestes Kleid angezogen haben, ihr rosanstes Make-up aufgetragen und ihre künstlichen Brüste anhaben.

“Ich hab genug”, hat Iris gesagt, “ich hab so etwas von genug – machst Du mit”.
Klar, ich mach mit.

Morgen mit Ingrid um 5 Uhr in der Früh.
Legen wir los. Endlich

037 — Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen 037
“ACHTUNG!” sagt die Stimme, “TÜREN ÖFFNEN LINKS!”

Welche? links? mal klicken, linkslinkslinksspringenauf, alte pockige fensterläden schultafeln RUMMS URKNALL rostige riegel fliegen hoch.

wuschwuschwischschsch kreidige Botschafter winken
“HALLO DU”

links links verrottete schmierige messages messenger Nachrichten für Lobby-Ärsche fließen über.

laufen ab triefen linkslinkslinks
“ACHTUNG! TÜREN ÖFFNEN LINKS!”
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