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034 — Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen 034
-es hat gut getan. doch nun bin ich wieder auf der flucht, entlang den linien, dem punkt entgegen, wo alle sich treffen. sie steigen, sie stürzen, sie zeigen sich logisch und dennoch verwirrend, einander kreuzend, spitzwinkelig spießig, machmal zebrös. zerbröselnd, fransig, gebündelt, ah, nicht zum aushalten. ich fliehe, mit ihnen, durch sie hindurch, manchmal schon streifig, oft auch kariert. ich flüchte in die schattigen netze am mittag und ruhe mich aus im fluchtpunkt. es wird ein ende haben in der nacht, wenn ich alle lampen mit steinen zerschossen habe und die wolken den mond endlich auslöschen. dann wird alles weich und rund, wenn ich mich zusammenrolle und nicht weiter rühre. dann wird es weich und sanft, die spitzen stechen nicht mehr. sie sind dann aufgehoben im satten, finsteren schwarz der nacht.

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034 — Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia 034»Heiraten tut man oder tut man nicht.« Ich wollte es nie tun. Ich beobachtete es aber sooft es ging. Standesämter sind dafür weniger geeignet, in ihnen drängeln sich Verwandte und Fotografen. Und schließlich wird der Ehevertrag unter Ausschluß der Öffentlichkeit unterzeichnet. Dieses Geschäft dauert nicht länger als ein Handschlag. In der Kirche dagegen ist die Erhabenheit des Augenblicks, die Andacht beim Anstecken des Ringes mein Metier. Ich habe schon dreihundertvierundvierzig Paare beim Anstecken ihres Ringes foto­grafiert. Zumeist verwechselt man mich mit einem Berufsfotografen. Es gibt Menschen die sammeln Briefmarken, ich jene Fotografien
An einem Mittwoch passierte es. Die Braut war gerade im Begriff dem Bräu­tigam den Ring überzuziehen …
»Du!«, sagte die Braut, und zeigte mit dem ausgestreckten Ringfinger auf mich, »Du wirst mich heiraten!«.
Dabei streckte sie ihren Bräutigam mit einem gezielten Schlag in den Magen nieder, zog sich den Ehering vom Finger, warf ihn mir zu. Ich legte meine Kamera beiseite. Der Ring gefiel mir. Ich ging zur Braut. Der Pfarrer sah uns ärgerlich an. Doch als ich der Braut den Ring an den Finger steckte, sie den anderen Ring an den meinigen und wir unser Gelöbnis sprachen, zwinkerte uns der Pfarrer zu.
Nun sind wir seit zehn Jahren drei Monaten und zwei Tagen glücklich verheiratet.