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031 — Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen 031ein tropfen rennt die scheibe runter. der nächste. der nächste. in meinem dschungel ist das so. alles schwitzt. vom brutkasten zum schwitzkasten, sommer, winter – egal. immer rennen tropfen über die scheibe, von oben nach unten, über den fensterrahmen auf das fensterbrett, über die kante, hängen da ein wenig kraftlos, verlieren an substanz, an satter rundung, glänzen matt und trübe auf dem schmierigen fensterweiss, trinken sich wieder voll und fett und rund, stürzen hinab in die tiefe. tränken den schlingpflanzenmusterteppich, einst braun, jetzt algengrün. besuch kommt nicht mehr. der letzte versank bis zu den knöcheln im moos, mein papagei lachte. die tür klappte zum letzten mal. nun sitzt der papagei auf dem rücken der wasserschildkröte, die ruhig ihre runden um den seerosenteppich zieht. gestern zog ich das netz herauf, die silberfische zappelten und wollten auf und davon. aber sie mussten hinunter, rein in den mund in den magen. früher sind sie mir oft entwischt, doch jetzt helfen mir die häute zwischen meinen fingern. aus seinem versteck hinter dem algenvorhang kommt der wels geschwommen. er beginnt, die fensterscheibe abzuweiden. ich werde ihn stoppen müssen. es wird zu hell hier drinnen. die leute werden neugierig werden und versuchen, durch das fenster zu schauen. das muss verhindert werden. ich werfe das netz…

031 — Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia 031

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Also ihr Leut. Ich werd’ jetzt wegfliegen. Habt ihr gehört? Macht die Fenster auf. Ich werd den Himmel finden. Eure Häuser werden nur noch Krümel sein. Ich werd’ auf Euch spucken. Kein Ton mehr von Euch hören. Ich werde Piouretten fliegen. Werdet Ihr mich vermissen? Ich kann Euch auch mal wieder besuchen kommen. Oft habt Ihr mich nicht besucht. Ich hab Euch dagegen oft in Euren Häusern besucht — in meinen kalten Träumen. Staunend steht ihr dann vor dem leeren Sockel. Ich werde Euch eine Nachricht hinterlassen. Ihr werdet es nicht verstehen. Ich schreibe »Mir war kalt – tschüss!«

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