030 — Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

es ist staub sagte er und klopfte das grau von seinem ärmel. der wind blies ihm die haare in die augen, am horizont drehten sich die grossen räder; krähen trieben über den himmel hin wie wolkengestöber. »wir pflügen und wir streuen« sprach er vor sich hin beim gehen und staunte über seine füsse, die von allein den weg über den acker fanden. seine hände hielten das gefäss, boten es dem wind dar, der daraus frass, grauen staub, wolke für wolke, bis es ganz leer war. das war mein versprechen rief er laut in den wind, ging zurück zum weg, wo seine schuhe standen.
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030 — Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)
Ich gehe oft spazieren. Nie gehe ich im Wald spazieren, denn hier gibt es nur Laubwald. Ich aber mag die Fichten und die Tannen — nein, Weichnachten mag ich nicht. Ich gehe immer am Waldrand spazieren, jetzt sind keine Blätter mehr an den Bäumen und ich weiss nicht, wie traurig die Bäume deshalb sind. Auf dem Boden liegen ihre Tränen, im Herbst noch gelb, im Winter braun — wie ihre Gedanken. Wissen die Laubbäume um den Frühling? Die Tannen haben es gut, denn sie tragen immer Nadeln, sie kennen wenig Tränen, nur wenn Sturm aufkommt nadeln sie. An Weihnachten haben wir Kerzen auf unserem Tannenbaum gehabt — auch glänzende Kugeln. Aber am Drei-Königs-Tag da werfen wir den Tannenbaum auf den Müll, obwohl doch die Elefanten so gerne die Tannenbäume fressen. Ich hab letztes Jahr lange aus dem Fenster geschaut, gewartet, wann der Müllwagen kommt — aber der kam nicht, auch am nächsten Tag nicht. Deshalb bin ich dann spazieren gegangen, am Waldrand. Ich hab dann sogar das braune Blatt am Wegrand mitgenommen, das schon seit Tagen auf mich gewartet hat. Ich kam dann erst nach Hause als der Tannenbaum schon weg war, das Blatt hab ich dann auch weggeworfen.
