022 — Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)
wie damals, als wir unterwegs waren, um die maikönigin zu klauen. schnee fiel aus den bäumen, kühle duftende küsschen auf unseren gesichtern, wir lagen in der vergissmeinnichtwiese und soffen weisswein aus der flasche. die maikönigin trank am meisten, sie war es auch, die loszog, um heimlich aus dem keller ihres vaters nachschub zu holen.
als sie zurückkam, fand sie uns nicht mehr unter dem blütenteppich. Sie legte die flaschen neben den baum und ging fluchend davon. als wir erwachten, fanden wir uns in einem tiefen brunnen mit einer brummelnden alten, die von uns verlangte, ihr die betten zu machen. wir versuchten es, aber uns wurde ganz übel von dem geruch, der aus den laken strömte. auch beim brotbacken und äpfelschälen konnten wir es ihr nicht recht machen. gerne wären wir wieder an die oberfläche geklettert. aber wir fanden keine leiter, kein tau, um nach oben zu gelangen. so lagen wir da und starrten durch den langen schacht nach oben in die maiblütenpracht. sahen alles leicht verschwommen, denn wir hatten der alten ihren holunderwein geklaut. wie wir wieder hochgekommen sind, weiss ich nicht mehr.
022 — Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)
Schaf schläfchen Schaf, die Wolle gibts im Schlaf, der Schlachter kommt im Morgengrauen …,
singe ich und sie hören mir zu, sie schauen mir zu, sie nicken mir zu.
Die Schafe kennen sicherlich nicht “Glenkill”, den schafigen Krimi und wissen auch nichts von “Haste Bock”, dem Schaf-Spiel. Diese Schafe machen mäh, kauen Gras und machen ihr Geschäft auf die Weide.
Also tanze ich für die Schafe, mache “mäh” für die Schafe und erzähl ihnen was über Kühe, Pferde und Menschen. Ich glaube die Schafe langweilen sich. Das linke Schaf schaut schon mißmutig, das rechte als ob es nach etwas wirklich spannendem sucht. Ich gebe auf, lasse mich ins Gras fallen, schau in den Himmel, sehe die Hammelbeine und schlafe in Gedanken an “Lamm in Kräuterkruste mit Rotweinsauce und Kartoffelgratin” tief und fest ein.
