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017 — Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)

Juergen 017war gar nicht so leicht, zu entwischen. aber ich bin ja ein helles köpfchen. in diesem raum mit dem spiegel und den vielen stimmen hab ich’s nicht mehr ausgehalten. das gezänk der schwarzen königin hat mir in den ohren geklingelt und überhaupt. es war mir zu staubig und zu altmodisch. und immer hinter der tapete hocken — nein! ich hab dagegen getreten — ratsch — ein großer riss von der mitte bis zur fußleiste, putz rieselte und färbte mir die haare hell. ich hab den mantel vom jäger geklaut und bin aus dem fenster gesprungen. jetzt muss ich zusehen, dass ich meine cousine finde. die ist neulich in einen brunnen gehüpft. sie hat mir schon viele sms geschickt — ich soll nachkommen, es sei ein schönes leben da unten mit obstbäumen und frischem brot und federbetten. wenn ich ihr mit den betten helfe, schreibt sie, könnte ich was für den wintersport tun und auch für die romantiker. deshalb husch ich mal schnell hin — wenn’s draußen weiß wird, wisst ihr, warum…

017 — Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)

Sylvia 017Um halbzehn an der Sisyphos-Skulptur. Der Mond sollte uns noch genug Licht geben um unseren Handel perfekt zu machen. Es ging um Geld, Spielschulden, die er noch zu bezahlen hatte und um sein Leben. Ich hörte seine schweren knarzenden Schritte auf dem Kies. Ich lehnte mich an Sisyhpos, ich hatte Zeit, viel Zeit. Er trug den Koffer in seiner linken Hand, steif und schwer. Der Mond schlich langsam an der Hand von Sisyphos vorüber. Seine Schritte kamen langsam näher, im Mondlicht sah ich sein zerfurchtes dünnes Gesicht. Er war ein Mann von fünfzig, gehüllt in einen schweren grauen Wintermantel obwohl es noch Spätsommer war. Er fror immer, sagte er mir. Wahrscheinlich blieb ihm nun nichts mehr als sein Wintermantel. Unterhalb der Sisyphos-Skulptur trafen wir uns, ich nahm ihm sofort seine Aktentasche ab, sie wog schwer, eigentlich zu schwer für eine Million Euro, es sollten ja keine Goldbarren nur Geldscheine sein. Er lächelte, ich tastete noch einmal nach meinem Messer. Ich öffnete die Aktentasche und war erstaunt. Es waren Steine, runde, ebenförmige Steine, vielleicht gut genug um sie im Wasser springen oder einen Berg herunter kullern zu lassen. Ich lachte ihn an, sah ihm jetzt direkt in die versteinerten Augen.