011 — Sylvia Hagenbach (Text) | Jürgen Gisselbrecht (Foto)
ein korb mit rosen
ich stand und bot sie dar
die menschen im frühling
erblühten und rauschten vorbei
betrunken vor frische und liebesglück
kein blick für die rosen
ich stand und starrte
die menschen im sommer
zerflossen zerplatzten im dunst
der steinernen sonne
die flammenden rosen
erloschen
ein hitziger wind trieb
raschelnde blüten über den platz
ich stand und weinte
der herbst der winter
sie froren mich ein
mein bronzener schatten
wartet
auf neue körbe
011 — Jürgen Gisselbrecht (Text) | Sylvia Hagenbach (Foto)
Es ist schon das einhundertachtzehnte Möbelstück heute.
Ich packe an – alles. Seit einundzwanzig Jahren.
Schon immer trug ich Handschuhe, weiße. Klar, die Kollegen machen sich lustig über mich.
»Na, willste wohl keine Schwielen haben, du Schwuchtel, und dazu noch weiße Handschuhe, das Madämmchen.«
Ist mir egal, dafür packe ich mehr als alle anderen. Die keuchen ja schon bei einer Bücherkiste und eine Plattensammlung können die nie alleine tragen. Aber ich!
Meine Hände haben keine Schwielen und meine Frau freut sich, wenn ich ihr mit meinen glatten Händen über die Haut fahre.

