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003 — Sylvia

Aber vorher bringe ich ihr noch die Cola vorbei.
»Sie würden mir einen großen Gefallen tun!«, sage ich, »wenn Sie die Cola nehmen. Ich habe noch zwei Flaschen auf meinem Zimmer, und ich kann nicht so viel davon trinken!«
Die Moser nickt gnädig, nimmt die Flasche und macht mir die Tür vor der Nase zu. Ah, da bin ich aber froh, dass sie mich nicht hereingebeten hat. Dann hätte ich mir wieder ellenlange Predigten über dieses und jenes und die Schlechtigkeit der Welt anhören müssen. So kann ich mich noch ein wenig in die Halle setzen und Leute beobachten. Das ist mein Liebstes! Jetzt, so kurz vor dem Abendessen, verlassen die letzten Besucher das Haus und es gibt meist etwas Interessantes zu sehen. Aber heute ist es sehr ruhig. Naja, Montag. Am Wochenende haben die meisten ihre Besuchspflichten ja schon hinter sich gebracht. Schade. Aber auch wieder nicht so schlimm, denn bald ertönt der Essensgong.
Ich gehe in die Caféteria und setze mich, sehe meine Tischnachbarn langsam eintrudeln und es beginnt wie immer.
Frau Moser sagt: »Servietten anlegen! Und jetzt…«
»Schnauze!« sage ich freundlich, und ziehe den Wurstteller zu mir herüber. Lege mir die schönsten Sachen auf den Teller, ignoriere das altbackene Weissbrot und genehmige mir noch zwei Scheiben frisches Gersterbrot. So. Jetzt noch ein paar Gürkchen… Die esse ich für mein Leben gern!
»Guten Appetit!« sage ich freundlich in die Runde und beginne zu essen. Sie starren mich an, sitzen da wie gelähmt. Frau Brehmer hält sich die Serviette vor den Mund, Herr Woitchak starrt die Teekanne an. Frau Moser hat den Mund offen, ihr Befehl scheint noch zur Hälfte darin zu stecken. Das Märchen von Dornröschen fällt mir ein, wo jede Bewegung einfror, nachdem der Koch dem Küchenjungen eine geknallt hatte. Lustig! Ich kaue genüsslich. Frisches Gersterbrot! Die Moser schaut missmutig auf das Weissbrot von gestern, denn urplötzlich und ganz flink haben auch Frau Brehmer und Herr Woitchak in den Brotkorb gegriffen. Geschwisterlich teilen sie sich jetzt die Wurst, die ich auf dem Teller gelassen habe. Wir kauen und kichern und grinsen Frau Moser an, die inzwischen knallrot und völlig konsterniert versucht, für sich noch etwas Leckeres zu ergattern. Es ist ja auch noch Schmierkäse da und ein ganzes Schälchen mit dem trockenen Quark.

Aber vorher bringe ich ihr noch die Cola vorbei. „Sie würden mir einen großen Gefallen tun“, sage ich „wenn Sie die Cola nehmen. Ich habe noch zwei Flaschen auf meinem Zimmer, und ich kann nicht so viel davon trinken!“ Die Moser nickt gnädig, nimmt die Flasche und macht mir die Tür vor der Nase zu. Ah, da bin ich aber froh, dass sie mich nicht hereingebeten hat.

Dann hätte ich mir wieder ellenlange Predigten über dieses und jenes und die Schlechtigkeit der Welt anhören müssen.

So kann ich mich noch ein wenig in die Halle setzen und Leute beobachten. Das ist mein Liebstes! Jetzt, so kurz vor dem Abendessen, verlassen die letzten Besucher das Haus und es gibt meist etwas Interessantes zu sehen. Aber heute ist es sehr ruhig. Naja, Montag. Am Wochenende haben die meisten ihre Besuchspflichten ja schon hinter sich gebracht. Schade. Aber auch wieder nicht so schlimm, denn bald ertönt der Essensgong. Ich gehe in die Caféteria und setze mich, sehe meine Tischnachbarn langsam eintrudeln und es beginnt wie immer. Frau Moser sagt: „Servietten anlegen! Und jetzt…“

„Schnauze!“ sage ich freundlich und ziehe den Wurstteller zu mir herüber. Lege mir die schönsten Sachen auf den Teller, ignoriere das altbackene Weissbrot und genehmige mir noch zwei Scheiben frisches Gersterbrot. So. Jetzt noch ein paar Gürkchen… Die esse ich für mein Leben gern! „Guten Appetit!“ sage ich freundlich in die Runde und beginne zu essen. Sie starren mich an, sitzen da wie gelähmt, Frau Brehmer hält sich die Serviette vor den Mund, Herr Woitchak starrt die Teekanne an. Frau Moser hat den Mund offen, ihr Befehl scheint noch zur Hälfte darin zu stecken. Das Märchen von Dornröschen fällt mir ein, wo jede Bewegung einfror, nachdem der Koch dem Küchenjungen eine geknallt hatte. Lustig! Ich kaue genüsslich. Frisches Gersterbrot! Die Moser schaut missmutig auf das Weissbrot von gestern, denn urplötzlich und ganz flink haben auch Frau Brehmer und Herr Woitchak in den Brotkorb gegriffen. Geschwisterlich teilen sie sich jetzt die Wurst, die ich auf dem Teller gelassen habe. Wir kauen und kichern und grinsen Frau Moser an, die inzwischen knallrot und völlig konsterniert versucht, für sich noch etwas Leckeres zu ergattern. Es ist ja auch noch Schmierkäse da und ein ganzes Schälchen mit dem trockenen Quark.

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